Die ganze Farbpalette englischer Vokalmusik

Kammerchor Baden-Württemberg unter Jochen Woll sang in der Raphaelskirche Heidelberg-Neuenheim

Rhein-Neckar-Zeitung, 21.09.2020

Sing joyfully – unter diesem Motto trat der Kammerchor Baden-Württemberg vor in der voll besetzte Raphaelskirche in Heidelberg-Neuenheim auf – und das Vokalensemble hatte nicht zu viel versprochen! Mit viel Elan stimmten die Sänger unter Leitung von Jochen Woll Werke englischer Meister aus vier Jahrhunderten an.

In einer Zeit, in der Musikfreunde lange auf das sonst so breite Angebot verzichten mussten, kam das so stimmungsvolle wie abwechslungsreiche Programm besonders gut an. Seit Jahren schon ist Jochen Woll, der regelmäßig mit seinen Ensembles in Heidelberg auftritt, in der Stadt eine feste Größe. Auch dieses Mal hielt ihm sein Publikum die Treue und zeigte sich sichtlich dankbar für den heiter-sinnlichen Abend.

Es waren sicher keine leichten Bedingungen, unter denen der Chor und ihr Leiter das anspruchsvolle Programm zur Aufführung brachten. Die Sänger standen den Corona-Regeln konform mit etwas mehr Abstand voneinander als üblich, und auch das Publikum mussten Abstand
halten. Zum Glück verfügt der schlichte Kirchenraum über eine ordentliche Akustik, so dass auch in den letzten Reihen jedes Wort klar und deutlich zu vernehmen war.

Auch die Probenphase gestaltete sich im Vorfeld logistisch dem Vernehmen nach komplizierter als sonst. Aber all diese Schwierigkeiten taten dem Abend keinen Abbruch, der durch seine vielen erfrischend freudigen Momente in Erinnerung bleiben wird. Gekonnt zeigte das Ensemble die ganze Farbpalette der englischen Vokalmusik auf, von schillernd heiter bis sanft melancholisch.

Glasklar und dynamisch ausdifferenziert ertönte zum Auftakt eine Komposition eines der größten englischen Musikers der Renaissance, Orlando Gibbons, gefolgt von den wohligen Klängen des Lobgesangs „Hear the voice and prayer“ des etwas älteren Komponisten Thomas Tallis. Von da an führte das Ensemble sein Publikum allmählich weiter durch die englische Musikgeschichte von Purcell bis Elgar. Beschwingt und kraftvoll stimmte das Ensemble „I will sing unto the Lord“ von Henry Purcell an, bevor es zu einem der Höhepunkte des Abends kam, der Motette „Lord, have mercy on us“ von Felix Mendelssohn, der ein großer Liebhaber der britischen Inseln war. Er fällt zwar streng genommen etwas aus der Reihe der anderen Komponisten, hat jedoch auch in England ein breites Publikum. Einfühlsam stimmten erst die Tenor- und dann die Alt- und Sopranstimmen das Fugenthema des Werkes an, das Mendelssohn für die Church of England komponiert hatte.

Glanzvoll erklang das von Jochen Woll mit großen Gesten dirigierte „Glorious and Powerful God“ von Charles Villiers Stanford. Eher melancholisch-verträumt mutete hingegen Elgars Elegie „They are at rest“ an. Den Abschluss des Abends bildete ein Werk von Edward Bairstow, einem Komponisten des frühen 20. Jahrhunderts, dessen tiefe Bassklänge ihre Wirkung nicht verfehlten.

Als Zugabe gab es dann noch ein freudig-heiteres A-cappella-Stück von Händel, das Woll selbst arrangiert hatte.

[Sebastian Jutisz]

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