Bei diesen Hilferufen müssen Gott die Ohren klingeln

Zum 100. Geburtstag von Benjamin Britten kam in der Kirche St. Lioba in Bad Liebenzell dessen sozialkritisches Werk A.M.D.G. (Ad majorem Dei gloriam – Zur größeren Ehre Gottes) mit dem Jungen Kammerchor Baden-Württemberg zur Aufführung.

Schwarzwälder-Bote, 02.10.2013

Von Andrea Fisel
Bad Liebenzell. Wenn eine Konzertreise des Jungen Kammerchor Baden-Württemberg unter der Leitung von Jochen Woll ausgehend von Italien über Heidelberg, Mannheim und Stuttgart in Bad Liebenzell endet, dann darf dies zweifelsohne als besonderer Vorzug gewertet werden.
"Innerhalb weniger Jahre erarbeitete sich der Chor vor allem durch seine ausgefeilten und lebendigen Aufführungen schnell einen hervorragenden Ruf", urteilen Musikexperten über das Ensemble, das nunmehr seit 28 Jahren besteht und sowohl von der Stadt Stuttgart als auch vom Ministerium für Wissenschaft und Kunst unterstützt wird.
Besonderes Augenmerk wird auf die Schulung des eigenen Nachwuchses gelegt. Aus dem Kreis der etwa 100 Chormitglieder kommen je nach Projekt zwischen zwölf und 40 Choristen für eine Arbeitsphase zusammen. Die verschiedenen Konzertprogramme werden nach umfassender Vorarbeit der einzelnen Mitglieder in Probenwochen oder -wochenenden zur Aufführungsreife gebracht.
Unter dem Titel "Glory to God" präsentierten 26 Sängerinnen und Sänger englische Chormusik aus vier Jahrhunderten. Immer wieder wechselten sie während des Konzertes die chorische Aufstellung: Einmal standen sich bei "Nunc dimittis" von Gustav Holst Frauen- und Männerstimmen gegenüber, ein andermal verteilten sich für die Motette "Sancte Deus" von Thomas Tallis Chorgruppen in alle vier Himmelsrichtungen einschließlich Empore.
Für die Komposition von Henry Purcells "Hear my prayer", in neuzeitlicher Überarbeitung von Sven-David, stellten sich die Chormitglieder schließlich in einem großen Kreis um die Zuhörerreihen auf. "Wir rücken Ihnen in dieser kleinen Kirche auf die Pelle, um Ihnen die Musik noch näher zu bringen", erklärte der Dirigent die eigentümliche Positionierung. Wenn dann die kraftvollen, glasklaren Stimmen "Höre mein Gebet und lass mein Schreien zu dir kommen" sangen, sich in fast schmerzhaften Dissonanzen aneinander rieben, um dann wieder in wohltuend harmonischen Akkorden miteinander zu verschmelzen, schien die Musik bei den Zuhörern direkt unter die Haut zu gehen. "Bei diesen Hilferufen müssen ja selbst Gott die Ohren geklingelt haben", bemerkte eine Besucherin nach dem Konzert überaus treffend.
Roswitha Schöninger, Kirchengemeinderätin der katholischen Kirchengemeinde Bad Liebenzell, war überzeugt: "So großartig und eindrucksvoll präsentiert können sich die Zuhörer auch für moderne Kirchenmusik begeistern."

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