Sänger erinnern an Pater Morand

Junger Kammerchor Baden-Württemberg meisterte in St. Lioba ein anspruchsvolles Programm und begeisterte damit die Zuhörer

Schwarzwälder Bote, 27.09.2011

"Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten." Mit diesen Worten des 126. Psalms hatte der Junge Kammerchor Baden-Württemberg sein A-cappella-Konzert in St. Lioba überschrieben.
Daneben beschrieb das Psalmwort das Andenken der Gemeinde an ihren 2010 verstorbenen Pater Morand. Dieser habe sich um die Förderung geistlicher Musik verdient gemacht, wurden die rund 90 Zuhörer begrüßt. Ein besonderes Konzert also.
Mit fünf geistlichen Chorwerken unterschiedlicher Epochen, allesamt dargeboten auf sehr hohem Niveau, spannten die 20 Sänger den inhaltlichen Bogen von Trauer und Verzweiflung hin zu Trost und Zuversicht.

Heinrich Schütz’ "Die mit Tränen säen", SWV 378, erklang eingangs, auch dank der schönen Akustik im Bad Liebenzeller Gotteshaus, wie aus einem Guss. Gleichwohl artikulierten die Sänger deutlich und betonten den Text im besten Sinne barock. Lediglich die nicht immer runden Abphrasierungen trübten den sehr guten Gesamteindruck.

"Wie klingt der Gedanke aus Psalm 126 in unserer heutigen Zeit?". Das habe er sich gefragt, als er selbst das Bibelwort neu vertonte, leitete Dirigent Jochen Woll zum zweiten Stück über. Jedenfalls dissonant und markant, aber rhythmisch nicht zu anspruchsvoll, merkte der Zuhörer alsbald. Dabei meisterte der Chor die intonatorisch anspruchsvollen, langen Abwärtssequenzen und -modulationen fast durchweg und wusste auch den Septim-Schlussakkord sicher zu setzen.

Max Regers "O Tod, wie bitter bist du", op. 110,3, verlangte den Sängern alles ab: Ständige Tonartwechsel, viel Chromatik, dynamische Vielfalt sowie insbesondere laute unisono-Passagen mit großen Intervall-Sprüngen – wahrlich fordernde Chormusik! Zwar rastete nicht jede Harmonie sofort ein, was vermehrt an den Terzen im zwölfköpfigen Frauenchor lag. Jedoch wurde Wolls diszipliniertes Ensemble dem hohen Anspruch in puncto Vehemenz, Engagement und Homogenität vollauf gerecht und bestach mit einem wunderbaren Diminuendo am Ende.

Harmonisch wieder auf der Höhe präsentierte sich der Chor nach einer Meditationspause bei Johannes Brahms’ "Warum ist das Licht gegeben", op. 74,1. Jetzt gelangen die Unisoni, gerade der "poco forte et espressivo" gehaltene zweite sowie der "dolce espressivo" vorzutragende dritte Teil überzeugten mit durchdachten dynamischen Entwicklungen, und der intensive Choral über Worte Martin Luthers geriet zum gleichsam krönenden Abschluss.

Dass der 26 Jahre alte Kammerchor Choräle "kann", war schließlich auch in Bachs "Jesu, meine Freude", BWV 227, zu hören: Der Chor intonierte hervorragend, agierte mit Zug und er interpretierte überlegt-textbezogen. Weil mehr Musik die Musik nicht besser mache, verabschiedete sich Woll mit seinem Chor von den Zuhörern ohne Zugabe. Schade, denn die rege applaudierenden Zuhörer hätten eine verdient gehabt.

Daniel Krummacher

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