Junger Kammerchor Baden-Württemberg in der Leonhardskirche

Stuttgarter Nachrichten, 12.06.2002

Die geistlichen Chorsätze Nord- und Südamerikas aus dem 20. Jahrhundert, die Jochen Woll in der Leonhardskirche vorstellte, zeigten sich überraschend rückgewandt. Bis auf das "Alleluja" des gebürtigen Deutschen Bruno Kiefer mit seiner Kontrastierung von weichen Vokalisenabschnitten und zergliederten musikalischen Fortschreitung folgten Nord- wie Südamerikaner, etwa M. Carmargo Guarnieri ("Ave Maria") und Randall Thompson ("Alleluja"), ja selbst sogar Heitor Villa Lobos ("Pater noster") gerne einem spätromantischen Klangideal.

Der Junge Kammerchor spürte dem mit zart aufblühender Phrasenführung und geschmeidiger Dynamik nach. Auch der harmonisch etwas sperriger gearbeiteten Klangfortschreitung in Villa Lobos "O salutaris hostia", oder den schiebenden, dichten Akkordfolgen in Charles Ives "Sixty-Seventh Psalm" war er mit hoch achtbarer technischer wie musikalischer Sicherheit gewachsen. Wenn sich die Partitur in Einzelereignisse auffächerte (Kiefer) oder sich die Melodik der Stimmen verselbstständigte (etwa in Hector Rafael Bissos "Gloria"), fehlte dem Klangbild ein wenig Tiefe.

Thomas Bopp

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